Maui (Hawaii – 9 Spots)

Kurzinfo

Geeignet für: Windsurfer, Kitesurfer, Wellenreiter

Revier: Flachwasser, Welle

Windrichtung: beste je nach Spot, fahrbar alle

Reisebericht

Wer zum ersten Mal in den Flieger steigt, um über den grossen Teich und dann auch noch über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Richtung Maui zu starten, den wird wohl unweigerlich die Frage plagen, ob einen dort wirklich das so oft angepriesene Paradies erwarten wird, oder ob vielleicht doch alles anders ist.

Schon bei der Landung auf dem Maui International Airport in Kahului, wenn der Flugkapitän sein langgezogenes „Alooooha“ durch die Lautsprecher zelebriert, vergisst man den Eincheckstress mit all dem übergepäck und den ca. 19 stündigen Flug, und man wird sich sofort im Paradies fühlen, zumal einen dann auch noch die im Tradewind stehenden Palmen schon am Flughafen erwarten.

Maui, auch Valley Island genannt, ist sehr amerikanisch, was einen auch nicht weiter verwundern sollte, da Hawaii seit 1959 der 50.US Amerikanische Bundesstaat ist. Eines unterscheidet Maui aber dann doch entschieden vom typischen Amerika, hier kann man wirklich allen Stress der Welt vergessen und man sollte dies auch wirklich tun, da man sonst mit der zeitlosen Einstellung der heimischen Polynesier und auch der zugereisten Amerikaner nicht zurechtkommt. So sollte man sich rasch auf die „Hawaiian Time“ ( man richtet sich mit der Zeit so in etwa an der Sonne )umstellen und seine Uhr tief im inneren der Gepäcktasche verstauen, um sie erst am Ende des Urlaubs wieder auszupacken.

Somit wäre man dann auch bereit völlig relaxt diese wirklich paradiesische Insel mit ihren tropischen Regenwäldern, unglaublichen Wasserfällen, traumhaften Stränden im Nord- und Westteil und dem Haleakala Vulkan und der wahnsinnig vielfältigen Lavalandschaft im Süd- und Ostteil zu erkunden.

Tradewinds

Mit den Tradewinds, wie alle hier ihren Antrieb auf dem Wasser bezeichnen, ist der Nordost Passat Wind gemeint. Dieser Passatwind zieht aus subtropischen Hochdruckgebieten zu den Tiefdruckgebieten am Äquator und trifft dabei ungestört auf die Hawaii Inseln. Das erklärt die Konstanz und die grosse Windwahrscheinlichkeit in Surfers Paradise, denn nur wer ganz grosses Pech hat, wird auf Maui keinen Wind haben, besonders wenn er sich in den Sommermonaten dorthin begibt, denn dann liegt die Windwahrscheinlichkeit bei nahezu einhundert Prozent. In dieser Zeit sollte man nicht vergessen seine ganz kleinen Segel einzupacken, da Grössen über vier Quadratmeter fast täglich zu gross sein werden.

Aber auch in den Wintermonaten wird man eine Windhäufigkeit vorfinden, von der die meisten anderen Surfspots der Welt nur träumen. Allerdings darf man dann seine viereinhalb bis fünfeinhalb Quadratmeter Segel ausfahren.
Sollte der Passat einmal eine Pause einlegen, sollte man ganz genau dem Wetterdienst lauschen und auf das Wort „Kona“ achten. Damit ist der berüchtigte Schlechtwetter Südwind gemeint, bei dem dann wiedereinmal die bereits erwähnten kleinen Tücher aus dem Segelsack gezogen werden.

Die Reviere

Als normaler Hobbysurfer denkt man meist den Revierbedingungen auf Maui nicht gewachsen zu sein. Dem ist aber nicht ganz so, denn der North Shore bietet Reviere für alle Könnenstufen, fast immer. Man kann sich langsam vom Westen der Nordküste bis zum Osten an immer grössere Wellen herantasten.

Die westlichste Bucht ist der Kanaha Beach Park, ganz in der Nähe des Flughafens in Kahului. Dort findet man die beste Infrastruktur aller Surfstrände vor. Riesige Wiesen zum Entspannen und Aufriggen, jede menge Parkplätze, Süsswasserduschen, Baywatchtower mit sehr wachsamen Lifeguards und einen riesigen Strand. Hier werden sich in den Sommermonaten selbst Anfänger nicht unwohl fühlen. Dann trifft man hier auch sehr viele Worldcup Fahrer an, die noch an den letzten Feinabstimmungen für ihr Racematerial arbeiten. In den Wintermonaten wandelt sich Kanaha allerdings und es kann hier eine der grössten Wellen an der North Shore brechen.

In der nächsten Bucht befindet sich Sprecklesville, auch Sprecks genannt. Zugegeben, der Weg dorthin ist nicht gerade einfach zu finden aber dafür lohnt sich die Suche. Man fährt von Kahului auf dem Hana Highway Richtung Paia und biegt an einem riesigen Baum nach links in einen Feldweg, von dort empfiehlt es sich einem der vielen mit Surfmaterial bepackten Wagen zu folgen. In Sprecks gibt es nicht allzu viele Parkmöglichkeiten, weshalb es sich empfiehlt früh dort zu sein. Man beachte aber, das auf Maui das Windsurfen erst ab elf Uhr morgens erlaubt ist. In der Bucht von Sprecks kann man sich entweder in Slalombedingungen mit zum Teil beachtlicher Dünungswelle oder aber im rechten Teil der Bucht in sehr sauberen, zum Teil auch sehr hohen Wellen austoben. Da die Wellen hier nicht ganz so gefährlich sind wie in den restlichen Buchten, sollte man sich hier an die doch viel kräftigeren und schnelleren Wellen, als man sie vielleicht aus der Nordsee gewohnt ist, herantasten. Aber auch hier gilt: flach fallen ! denn auch hier befinden sich die Riffs nicht allzu weit unter der Wasseroberfläche.

An der Landzunge zwischen Kanaha und Sprecks befindet sich Camp One. Wer allerdings sein Surfequipment in einem der unzähligen Shops gemietet hat, darf hier verständlicherweise nicht wassern. In Camp One liegen die Riffs teilweise trocken oder nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche.

Fährt man den Hana Highway weiter Richtung Osten, findet man am Ortsende von Paia, gleich hinter „Mama’s Fishhouse“ den Spot Lanes. Hier kann man sich bei kleinerem Swell getrost ins Wasser trauen, denn Lanes als Wellenspot funktioniert erst richtig bei grossem Swell. Dann ist der Spot allerdings wirklich nur noch den absoluten Experten vorbehalten, denn die Wellen brechen mit beachtlicher Höhe und Länge. Ein Ausstieg aus der Welle ist sehr schwierig und ein Waschgang wird aufgrund des sehr flachen, scharfen und mit Seeigeln bestückten Riffs sehr schmerzhaft.

Noch ein Stück weiter den Hana Highway entlang, angrenzend an Lanes kommt man zum Mekka des Windsurfens, an den Hookipa Beach Park, dem Spielplatz der besten Surfer der Welt. Wenn man nicht zur absoluten Wellenelite zählt, sollte man es sich einfach auf der grossen Wiese oberhalb des Spots bequem machen und dem Treiben auf dem Wasser zuschauen. Es lohnt sich. Der Spot kann sonst wegen der geringen Wassertiefe über dem brutalen Riff, dem ca. eineinhalbmeter breiten Einstieg und den riesigen Lavafelsen am Strand äusserst gefährlich werden. Von der gigantischen Kraft der Wellen dort einmal ganz abgesehen.

Bei Kona Wind oder auch bei Südswell sollten La Perouse Bay und Kaanapali im Süden und Honolua Bay im Westen der Insel nicht unerwähnt bleiben. Allerdings lohnt sich der Weg hier auch nur für die Wellenexperten, da es an diesen Spots gewaltige Wellen geben kann, die über Lavagestein laufen und auch am Strand wird man nur auf diese getrocknete Magma stossen.

Wenn man mal eine Pause braucht

Sind die Hände mal wegen des ständigen Windes offen, merkt man jeden einzelnen Muskel und schreit der Körper nach einer Pause, sollte man ihm diese ruhig gewähren. Nach Maui zu fliegen nur um zu surfen wäre wohl zu schade, das kann man ja bei seinen nächsten Besuchen auf der Insel so handhaben. Es gibt einfach zu viel zu sehen und entdecken. Eine Tour von Paia nach Hana auf dem Hana Highway verbunden mit einem Besuch der Wasserfälle Seven-Pools zum Beispiel sollte man sich nicht entgehen lassen. Unter Highway versteht man in diesem Fall eine knapp zweieinhalb Meter breite Küstenstrasse mit dem Pazifik zur Linken und dem Regenwald zur Rechten. Wer lieber nur einen Kurztrip plant, sollte auf dieser Route an dem Schild Twin Falls halten und sich mit einem knapp zwanzigminütigen Fussmarsch durch eine prächtige Natur zum Grösseren der beiden Wasserfälle begeben und ein ausgiebiges Bad im Naturpool nehmen oder sich sogar mit etwas Mut vom etwa zwölfmeter hohen Wasserfall stürzen. Wer hingegen seine Zeit lieber mit Shoppen oder Sightseeing verbringt, dem sei Kahului oder noch besser Lahaina an der Südküste zu empfehlen. Lahaina ist eigentlich der einzige richtige Touristenort auf der Insel. Hier findet jeder was sein Herz begehrt. Vor den Stränden von Lahaina kann man zudem hervorragend Schnorcheln oder bei diversen Anbietern an Schnorcheltrips teilnehmen. Möchte man sich die Unterwasserwelt lieber mit etwas Sicherheit ansehen, empfiehlt sich ein Besuch im riesigen Seewasser Aquarium auf halbem Weg zwischen Kahului und Lahaina.

Frühaufsteher und auch all diejenigen die gerne ausschlafen, sollten wenigstens einmal während der Dauer ihres Aufenthalts um halb vier morgens aufstehen um sich auf den Weg hinauf zum Haleakala Krater zu machen und den Sonnenaufgang über den Wolken zu bewundern. Diesen frühmorgendlichen Trip kann man auch bei einigen Anbietern buchen. Mit denen geht es dann im grossen Van rauf auf den Krater und mit Mountainbikes wieder runter. Wem das Alles noch nicht genug ist, kann sich am Flughafen oder in Paia günstig einen Flug mit Übernachtung zur Nachbarinsel Oahu mit der Hauptstadt Honululu ergattern, oder aber sich Maui aus der Luft mit einem Helikopterrundflug ansehen.

Abendprogramm und Unterkünfte

Wer abends noch Kraft für Unternehmungen hat, sollte entweder einen dicken Geldbeutel haben oder sich einfach den vielen BBQ’s und Parties in den Surfwohngemeinschaften anschliessen. Man trifft sich abends in Paia in Jaques Bistro, in dem es noch relativ humane Preise fürs ausgezeichnete Essen gibt oder in einer der Bars in Paia. Mittwochs geht es dann nach Makawao ins Casanovas, wo sich an diesem Abend stets die gesamte Surfszene Mauis trifft um gemeinsam zu feiern. An den restlichen Tagen geht’s von Paia aus zu den besagten BBQ’s. Als Alternative empfiehlt es sich abends nach Lahaina zu begeben, denn dort steppt jeden Abend der Bär in den vielen Bars. Ein kleiner Tipp, unbedingt ins Hard Rock Cafe´ Lahaina reinschauen. Sehr gutes Essen zu günstigen Preisen bei tollem Ambiente. Wer es gerne so günstig wie möglich mag, der speist einfach in einem der unzähligen Fast Food Restaurants. Die gibt es auf Maui zu hauf und man braucht wirklich auf keine der grossen amerikanischen Fast Food Ketten zu verzichten, denn sie sind alle hier vertreten. Noch günstiger ist nur selber kochen. Dazu kauft man am besten im Safeway, bei einem Aufenthalt ab vier Wochen kann man hier eine Club Karte bekommen und grosse Rabatte erzielen, oder man fragt seinen Vermieter ganz freundlich, ob man ihn in den Cosco Markt begleiten darf. Das ist so etwas wie ein übergrosser Metro Markt, allerdings normalerweise nur für Insulaner.

Candle Light Dinner oder einfach mal ein richtig gutes Fischmenü ? Auch das ist kein Problem, dazu muss man nur sehr tief in die Tasche greifen. Wer es sich aber trotzdem einmal gönnen möchte, für den ist Mama’s Fishhouse am Ende von Paia mit Blick auf Lanes eine der besten Adressen.

Unterkünfte gibt es auf Maui mehr als Pizzerien in Neapel. In Paia und Haiku kann man fast in jedem Haus Zimmer mieten, oder man mietet sich in einer der vielen Pensionen und Jugendherbergen ein. Etwas teurer, aber mit Gruppen doch wieder günstig sind die vielen Bungalows in Strandnähe zwischen Kanaha und Paia. Adressen und Homepages findet man in den Surfmagazinen, wenn man von Europa aus buchen möchte, oder im kostenlosen Maui Journal vor Ort. Den sollte man sich ohnehin besorgen, da dort von Aktivitäten, über Shops, bis zu gebrauchtem Equipment und Rabattmarken alles zu finden ist. Die meisten Vermieter vermitteln auch Leihwagen auf Anfrage und bieten als zusätzlichen Service die Abholung vom Flughafen an.

Sicherheit

Auf Maui muss man sich keine Sorgen um sein Equipment oder sein Hab und Gut machen. Diebstahl gibt es hier so gut wie gar nicht. An einige Regeln sollte man sich aber halten um nicht in eine schmerzhafte Konfrontation mit den Einheimischen, damit sind die wirklichen Einheimischen, die Polynesier, gemeint. Wer sich am Strand umzieht, bitte nur mit Handtuch um den Lenden und die Grenzen zwischen Windsurfern und Wellenreitern immer einhalten. Dann wird man die Einheimischen auch immer als äusserst nettes Volk kennenlernen.

Autor

Tom Brendt (www.tom-brendt.de)

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