Azoren

Kurzinfo

Geeignet für: Windsurfer, Kitesurfer, Einsteiger

Revier: Flachwasser, Welle

Windrichtung: beste je nach Spot, fahrbar alle

Sonntag, 16.12.2007

Abflug Köln. Der Flug geht über München und Lissabon nach Ponta Delgada, Sao Miguel. Die Azoren liegen 2 Flugstunden westlich von Lissabon und bestehen aus 9 Inseln wobei Sao Miguel die touristisch erschlossenste ist. Sao Miguel habe ich als Reiseziel gewählt, weil es mit Santa Maria die besten Sandstrände zum kiten besitzt. Die windigste Reisezeit ist zwischen 0ktober und Juni, wobei der März am windreichsten ist und der Dezember den meisten Niederschlag hat. Im Hochsommer gehört die Insel den Touristen.

Eigentlich ein 5,5 Stunden Flug der mich aber den ganzen Tag kosten wird. Im Sommer, von April bis November, verkehrt neben der TAP auch noch die SATA im Direktflug ab Frankfurt und München (glaub ich). Für den TAP Flug habe ich 400€ bezahlen müssen. Mein „Golfgepäck“ kostet, da es sich um einen Code-share Flug mit Lufthansa handelt, nochmals 20€ extra. Die Reise verläuft problemlos und mein Gepäck kommt trotz zweimaligen Umsteigen auch an. Ein kleines Wunder!

Mietwagen sind auf den Azoren sehr teuer. Eine Internetrecherche ist sehr zu empfehlen. Ich habe in der Nebensaison 360€ für 2 Wochen bezahlt. Man kann aber auch den doppelten Preis bezahlen.

Montag, 17.12.2007

Nach einer etwas klammen Nacht, es hat heftig geregnet, windet es draussen in Sturmstärke. Ich mache mir das gemütliche Wohnzimmer mit der kleinen Elektroheizung schön muckelig. Die Unterkunft ist wirklich zauberhaft und liegt in einer parkähnlichen Landschaft an Sao Miguels Südküste im Ort Caloura. In der Nebensaison für nur 28€ pro Nacht.

Heute ist also der erste Kitetag. Ich habe mich mit dem deutschen Kitelehrer Oliver verabredet, der hier seit Anfang des Jahres eine Kiteschule betreibt. Eines fällt mir direkt auf. Sich hier zurecht zu finden ist dank eines ausgeklügelten Einbahnstrassensystem so eine Sache. So ist die Suche nach dem Strand Monte Verde in Ribeira Grande eine echte Geduldsprobe. Tipp: Fahrt nicht direkt in den Ort sondern weiträumig aussen rum (Kreisverkehr und dann an der Gulf-Tanke vorbei). Dank Oliver und meines Handy finde ich schliesslich den Spot.

Der Strand ist leider in einem schlechten Zustand. Viel Treibgut und Müll trüben den ersten Eindruck. Hier täte eine Aufräumaktion gut. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Strand wegen der starken Strömung kein Badestrand ist. Und ausserdem ist ja Winter. Schuhe sind am Strand empfehlenswert.

Wir haben eine wirklich schöne Session mit fetten Wellen bei ca. 25kn. Später zeigt mir Oliver dann noch den „Südstrand“ in Populo. Hier tummeln sich einige Surfer in den schönen Wellen. Wenn die Windrichtung passt ist das auch eine richtig gute Möglichkeit zum Kiten.

Dienstag, 18.12.2007

Sturm! Heute geht mal gar nichts. Und da ich nicht Ruben mit Vornamen heisse fahre ich zurück und lege mich wieder ins Bett. Tipp: Ein gutes Buch verkürzt einen Regentag. Später fahre ich nochmals nach Populo um ein paar Bilder zu machen.

Mittwoch 19.12.2007

Wind aus Nord-Nordost. Wieder in Ribeira Grande am Monte Verde. Das mit dem Aufräumen hat sich von allein erledigt. Der gestrige Sturm hat die Arbeit übernommen. War es gestern noch kalt und ungemütlich zeigt sich heute die Insel von ihrer sonnigen Seite. Zwischendurch nur ein paar kleine Wolken.

Die Wellen sind „kleiner“ als gestern, aber durch den schräg auflandigen Wind ist es nicht einfach über die Wellen zu kommen. Obwohl ein wenig furchteinflössend macht es riesig spass sich den Naturgewalten zu stellen. Mein Tipp: Nicht das Board verlieren und nicht den Schirm droppen. Die Strömung im Shorebreak ist nicht von Pappe. Achtung: Der Spot ist nichts für Einsteiger!

Donnerstag. 20.12.2007

Auf Sonne folgt leider wieder Regen. Zumindest auf den Azoren. Auch der angesagte Wind bleibt aus. Also mache ich einen kleinen Ausflug nach Furnas. Die Insel hat sehr viel zu bieten und ist für einen reinen Kiteurlaub zu schade. Furnas liegt im Inselosten in einem grossen Tal. Eigentlich will ich mir in Furnas den Terra Nostra Park ansehen doch leider kaut mich der Ort mit seinem Einbahnstrassen einmal gut durch nur um mich am Ausgangspunkt wieder auszuspucken. So fahre ich den ganzen Weg wieder zurück. Unterwegs fängt es dann noch wie aus Kübeln an zu schütten. Gegen Abend wird es wieder stürmisch. Leider zu spät, denn die Tage sind im Winter einfach zu kurz.

Freitag, 21.12.2007

Bin ich im Arsch! Sorry für die Ausdrucksweise aber nach ungefähr 5 Stunden Kiten fühle ich jeden Muskel, was sage ich, jede Zelle und zwar diejenigen, die sich in meinem Alter nicht mehr erneuern. Die Wellen von Ribeira Grande sind heute wieder ziemlich hoch und es war streckenweise enorm schwierig, da es zeitweise sehr kabbelig ist. Wo eben noch eine Lücke zwischen den Wellen, tut sich wie aus dem Nichts eine Wand aus Wasser vor einem auf. Am Nachmittag kommt dann noch Oliver dazu und wir kiten in den Sonnenuntergang. Wasser Heute 18°, Luft 19° und mein Sagres 8°.

Samstag, 22.12.2007

Heute ist nichts nennenswertes passiert. Der Wind hat auf Süd-Ost gedreht. Vielleicht geht morgen Populo.

Sonntag, 23.12.2007

Zum ersten Mal steht ein Kitetag in Populo an. Am Rande: Eigentlich heisst der Ort Sao Roque. Populo liegt etwas weiter im Landesinneren. Es gibt noch einen Strand in Sao Roque. Der liegt westlich der Kirche und ist wesentlich kleiner.

Der Wind weht fast auflandig und es ist mal wieder erschwert über den Shorebreak zu gelangen. Nach und nach kommen einige Kiter zum Strand was dem Spot einen Rekord beschert. Es waren dort vorher noch nie 4 Kiter gleichzeitig auf dem Wasser. 4! Ich sollte aufhören diesen Bericht zu schreiben sonst haben wir bald 10 mal so viele auf dem Wasser. Also hergehört: Fahrt nicht dort hin! Es gibt dort Riesenkraken und die Locals sind Menschenfresser.

Im Ernst: Ich habe selten so freundliche, hilfsbereite und kontaktfreudige Locals kennen gelernt wie dort. Solltet ihr vorhaben dort hin zu fahren dann packt bitte die guten Manieren mit ein.

Heiligabend

Da ich gestern vom kiten soooo müde war bin ich schon um kurz nach acht schlafen gegangen. Dummerweise war ich heut morgen um 4 schon ausgeschlafen. Es hat die ganze Nacht geregnet und Wind hat es auch keinen. Der Strand von Populo gehört heute wieder den Wellenreitern. Gegen Abend fängt es wieder an zu regnen. Mal sehen was der morgige Tag so bringt.

1. Weihnachtstag

Junge, Junge muss ich brav gewesen sein. Das Christkind hat mich heute in Ribeira Grande nicht ertrinken lassen und mir dann noch einen grossartigen Kitetag unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Zuerst bin ich wieder an der Nordküste. Diesmal mit schwächelden sideshore Wind von rechts. Der Shorebreak sieht von Strand eher „nett“ aus. Nicht so gross wie die ersten Tage. Schon beim zweiten Schlag nach draussen verliere ich mein Board und nachdem ich 3 x fett gewaschen werde geht mein Kite auch noch baden. Jetzt wirds schwierig. Trenne ich mich vom Kite wird er die Waschgänge wahrscheinlich unbeschadet überstehen. Auf der anderen Seite zieht mich dann nichts mehr ans rettende Ufer. Nach 6-7 (gefühlte 27) Waschgängen bin ich dann wieder am Strand, aber völlig ausgepowert. Rettungsschwimmer müsste man sein.

Da der Wind aus östlicher Richtung kommt entschliessen wir uns nach Sete Cidades im Westen der Insel zu fahren. Einerseits war ich dort noch nicht und andererseits ist Ost eine der wenigen Windrichtungen in der der einzigartige Spot funktioniert. Um in den riesigen Krater zu gelangen muss man über seine Flanke fahren. Der Ausblick am Vista do Rei war allein die Reise nach Sao Miguel wert. Gorgeous!

Man kann eigentlich kaum glauben, dass trotz der mehrere hundert Meter hohen Kraterwände der Wind seinen Weg auf den See findet. Wiedererwarten ist dieser recht stabil und beschert mir eine der landschaftlich spektakulärsten Kitesessions die ich je hatte.

2. Weihnachtstag

Der Tag beginnt mit Regen. Wenn man im Winter die Azoren besucht darf einem das nicht viel ausmachen dürfen. Ich bin ehrlich, ein wenig mehr Sonne fände ich auch schöner und mein Pullover den ich vorgestern gewaschen habe hätte auch eine Chance zu trocknen. Aber nach dem gestrigen Tag auf dem Lagoa Azul steht es mir nicht zu mich zu beschweren.

Gegen Mittag klart es auf aber der Wind, der am Morgen noch durch die Bäume fegte ist verschwunden. Es bewahrheitet sich mal wieder: Die Vorhersagen taugen hier nicht viel.

Donnerstag, 27.12.2007

Heute Kiten nix gut. Stattdessen hängen wir den Tag im Szenetreff in Sao Roque ab und sichten schon mal Bilder für diesen Bericht. Oliver hat sein Notebook dabei und zeigt mir die Bilder, die er hier im laufe des Jahres gemacht hat. Einige sind wirklich toll und was würde besser passen als sie hier in diesem Zusammenhang zu zeigen.

Falls ihr auf Sao Miguel kiten möchtet und mal was kaputt geht ist Oliver bei Kitematerial die erste Adresse. Ausserdem habe ich ihn als sehr hilfsbereit kennen gelernt und er wird euch über die verschiedenen Spots wichtige Infos geben können.

Freitag 28.12. 2007

Heute scheint zur Abwechslung mal schön die Sonne. Ich nutze den Tag um mir den Inselwesten näher anzuschauen. Dazu kommt es aber nicht, weil ich mich in Furnas (da muss man durch) verfahre (was ein Wunder) und mich plötzlich vor dem Eingang des Terra Nostra Park wieder finde, den ich beim letzten Mal nicht gefunden habe (Eintritt 4€). Ich muss zugeben, der Park ist wirklich sehenswert und unter den 2.500 Bäumen sind viele wirklich beeindruckend.

Am Abend bin ich dann noch lecker bei Einheimischen zum essen eingeladen. Vielen Dank nochmals. Es war ein wirklich schöner Abend.

Samstag 29.12.2007

Der letzte Tag. Da heute kein bzw. erst spät am Tag ein wenig Wind vorhergesagt ist habe ich gestern schon meine Kites verpackt. Prompt windet es am Morgen. Hmmmmm…. Schnell wieder ausgepackt fängt es kurz darauf an zu schütten. Hmmmm…Hmmmm… wenig später setzt sich wieder die Sonne durch und gegen Abend kommt sogar kitebarer Wind auf. Leider wird es schon dunkel.

Wenn ich nochmals wiederkomme, dann wohl eher im März oder April. Das Wetter ist dann stabiler mit mehr Sonnenstunden und weniger Niederschlag. Und dennoch bin ich ein wenig traurig abreisen zu müssen. Die Herzlichkeit der Menschen, die beeindruckende Natur und einige Big Days auf dem Wasser haben bei mir einen nachhaltig positiven Eindruck hinterlassen.

Autor

Tommy Krebs

Auto Import

Author: Auto Import

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1 Kommentar

  1. Hallo! Cooler Bericht, denkst du man kann sich dort kite Sachen leihen? Beste Grüße Fabi

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