Irland (Reisebericht)

Kurzinfo

Geeignet für: Windsurfer, Kitesurfer, Wellenreiter, Einsteiger

Revier: Stehbereich, Flachwasser, Welle

Windrichtung: beste je nach Spot, fahrbar alle

Die Reise führte mich über Cherbourg (F) mit der Fähre nach Rosslare (Ir). Von dort mit dem PKW in Irlands Süden zu den Traumspots der Westküste und über den Osten wieder zurück zu meinem Ausgangspunkt. In den den 2 Wochen meiner Reise bin ich ungefähr 2000 km auf Irlands Strassen gefahren und habe mir viele Kitespots näher angesehen und fotografiert. Ich hoffe mein Bericht macht euch Lust selbst mal dorthin zu fahren. Es lohnt sich!

Die Bilder sind alle mit meiner alten Nikon F301 mit 50mm Ojektiv gemacht. Die Panoramen bestehen aus mehreren Bildern und sind im Photoshop zusammen gefügt worden.

Genug der vielen Worte. Hier kommt sie nun. Eine Geschichte von wilden Kühen, torfigen Körpergeruch, koksenden Halbstarken, 5 Meter Wellen, vielen Schafen, unglaublich dichten Nieselregen, einer surfenden Schulklasse, Pinguinen, fetten Frauen die schnell gehen, verstopfen Strassen, überwachungskameras in Waschräumen, Haien, eiskalten Duschen, unlesbaren Strassenschildern und wirklich netten Iren!

Abreise, Bergisch Gladbach – Cherbourg (F)

Rund 800 km liegen vor mir und ich möchte die Strecke möglichst noch heute schaffen, da für Sonntag noch 20kn für die Normandie gemeldet sind. Zeit habe ich jedenfalls genug denn meine Fähre nach Rosslare geht erst am Sonntag Abend um 18 Uhr. Nach rund 10 ereignislosen Stunden komme ich ich in dem kleinen Ort Siouville südwestlich von Cherbourg an. Es wird langsam dunkel und ich möchte vor dem Schlafengehen einen kurzen Blick auf den Strand werfen werde wirklich positiv überrascht. Eine so geile Bucht hätte ich nicht erwartet. Voller Vorfreude auf Morgen mache ich mir eine Dose Bier auf und schlafe recht bald nach einem langen Tag bei heftigen Wind und prasselnden Regen ein.

Gut zu wissen: Für die französischen Autobahn fällt Maut an. Für eine Strecke habe ich insgesamt 28 € bezahlen müssen. Ein 0,5 l Bier beim Italiener in Siouville kostet fast 5€!

Kiten in Siouville

Gegen 8 Uhr werde ich wach und fahre ein wenig durch die kleinen Strassen auf der Suche nach einer späteren Duschmöglichkeit und finde einen nahegelegenen Campingplatz. In einer Seitenstrasse stehen schon die französischen Frühaufsteher. Ausnahmslos Windsurfer. Der Wind ist sehr kräftig und die Wellen sehen aus der Entfernung „nett“ aus. Das ändert sich aber schlagartig als ich in ihnen am Kiten bin. Ich schätze 2,5 – 3 Meter mit mächtig Druck. Da ich schon länger nicht mehr in solchen Wellen kiten war fühle ich mich nicht sehr wohl und nach einer viertel Stunde habe ich erst mal genug und mache eine Pause. Es stellen sich mir erste Bedenken ein ob dieser Irlandtrip wirklich eine gute Idee ist. Schliesslich sollen dort die Wellen ja noch grösser sein. Die zweite Session ist dann schon viel entspannter, da ich mich an die Bedingungen gewöhne und am Ende macht es riesig Spass. Nach einer heissen Gratisdusche auf dem Campingplatz verlasse ich Siouville und mache mich auf den Weg nach Cherbourg zur Fähre.

Gut zu Wissen: Die Fahrtkosten für 1 Person mit PKW (unter 1,90cm) und Kabine hin und zurück beträgt 330 €. Problemlos Online zu buchen unter: http://www.irishferries.com

Es dauert geschlagene 1,5 Stunden vom Einchecken bis zum Verladen. Zügig nehme ich das Nötigste aus dem Auto und besichtige meine Kabine. Jetzt wird mir auch klar warum ich kein Bild der Kabine auf der Website gefunden habe. Sie lässt sich nicht fotografieren! Das Schiff macht den allgemeinen Eindruck als wäre es vor dem jetzigen Fährbetrieb 30 Jahre unter indischer Flagge gefahren. überall Rost und Gammel.

Gut zu wissen: Während der überfahrt kommt man nicht mehr an das Auto. Alles wichtige raus nehmen!

Abends esse ich noch was teures irisches undefinierbares Ekliges was kurz nach dem Verzehr direkt wieder ans Tageslicht will. Der Sehgang trägt dazu bei. Irgendwie habe ich das Gefühl krank zu werden. Ich nehme eine Schlaftablette und schlafe im schaukeln des Schiffes bis zum nächsten Morgen durch.

Rosslare – Gerryvoe

Pünktlich um 11:30 läuft die Fähre in den Hafen von Rosslare ein. Bis ich durch die Passkontrolle bin ist es allerdings 13:00.

Gut zu wissen: In Irland ist es eine Stunde früher als bei uns.

Direkt im ersten Kreisverkehr vergesse ich zuerst nach rechts zu schauen. Das wird mir während der Reise noch häufiger passieren. Links zu fahren ist eigentlich ganz einfach, erfordert aber am Anfang etwas Eingewöhnung mit 100 entspannt auf der „falschen Seite zu geistern“. Mein erster Eindruck von Irland: Sieht ein wenig so aus wie im Bergischen Land nur der einsetzende Regen macht es etwas irischer. Hat was von einem miesen Herbsttag an dem man sich auf die warme Stube freut. Leider ist die warme Stube für die kommenden 2 Wochen mein Auto. Irgendwas missfällt mir an dem Gedanken.

Waterford ist die erste grössere Stadt, die ich durchquere, und bekomme gleich einen Vorgeschmack auf das was mich noch erwartet. Ist der Verkehr auf dem Land eher spärlich so findet man hier Stop+Go in allerhöchster Vollendung. Wie ein Samstag vor Weihnachten. Ich muss dazu sagen, dass mich im Stau stehen nervös macht. Zum Glück ist aber alles gut beschildert so das man gut aus dem Chaos geleitet wird.

Irgendwann am frühen Abend stehe ich bei miesem Herbstwetter an einem nichts sagenden Strand namens Gerryvoe südwestlich von Youghal und versuche dem Strand etwas positives abzugewinnen. „Ist doch nicht sooo schlecht. Da vorne links hats etwas kleinere Felsen.“ Ich fahre dann noch ein paar Kilometer nach Ballycotton um erstaunt festzustellen, dass es da nicht nur keinen Strand gibt, sondern die Strasse einfach in einem Fischerhafen zu Ende ist!

Gerryvoe – Inch (Dingle Peninsula) – Tralee Bay

Da ich eh in den Westen will, mache ich mich nach dem Frühstück direkt auf den Weg, lasse aber Cork nach dem gestrigen Waterford-Verkehrschaos links liegen und nehme einen kleinen Umweg über eine schöne aber schmale Nebenstrasse in Kauf. Nach 200 km und 4 Stunden Fahrt wird mir klar, dass man hier zum Autofahren reichlich Zeit mitbringen muss. Ausserdem wird mir klar, dass ich plötzlich auf einem phantastischen Strand stehe. Dem Inch Beach. Der Wind ist gut und beschert mir 2 wundervolle Kitestunden in der eindrucksvollen Kulisse der Inch Bay.

Es dämmert langsam, und ich suche mir einen Campingplatz zum duschen und übernachten. Ich fahre von Inch nördlich über die Dingle Halbinsel in Richtung Tralee Bay. An einem Pass bekomme ich einen Ausblick auf die Tralee Bay geboten. Atemberaubend! Alle 100m möchte ich am liebsten anhalten um Bilder zu machen. Die Landschaft hier im Westen ist so unglaublich spektakulär! Nicht zu vergleichen mit dem eher lieblichen Süden.

Gut zu wissen: Anhalten um die Landschaft zu fotografieren ist recht schwierig. Es gibt nur selten Platz zum halten.

An der Tralee Bay finde ich dann einen Campingplatz, wo ich für 7,50 € + 1,50 € für die Duschmarke nächtigen darf. Die Dusche ist ihr Geld absolut wert, einzig die vielen überwachungskameras auf dem Platz erinnern mich eher an eine gut bewachte Bank. Selbst im Waschraum hängt eine. Nun ja, vielleicht hat die ältere Besitzerin freude Männern bei der Morgenpflege zu zuschauen. Pünktlich zur herein brechenden Dunkelheit fängt es an zu regen. Ich lese noch etwas und schlafe zeitig ein.

Castlegregory, Die Brandon- und die Tralee Bay.

Heute ist mir nicht nach viel rumkurven, und ich will mir die naheliegenden Strände bei Castlegregory (etwa 10 km weiter westlich) näher betrachten. Auf der Dingle Peninsula ragt ein kleiner Finger in die Höhe. Auf der östlichen Seite die Tralee Bay mit dem Strand bei Castlegregoy und auf der westlichen Seite der Stradbally Strand der Brandon Bay.

Zuerst finde ich ich über eine winzige Strasse den Stradbally Beach und dessen Anblick haut mich echt aus den Pantoffeln! Mir fällt leider keine Steigerungsform zu phantastisch ein. über Castlegregory finde ich einen zweiten Zugang. Aber auch nur einen winzigen Parkplatz wo man sich schnell festfahren kann. Der Strand der Tralee Bay hingegen ist ganz anders. Zwar gibt es hier einen richtig festen Parkplatz und Toilettenhäuschen jedoch ist die Bucht nicht kitebar. überall kommen bei Ebbe riesige Felsen zum Vorschein. Diese lauern bei Flut wenige cm unter der Wasseroberfläche!

Gegen Nachmittag kommt ein wenig Wind auf was mir die Gelegenheit zu einer kleinen Kitesession auf der Brandon Bay verschafft. Das erste was mir auffällt ist die unglaubliche Reinheit des Wassers. Selbst weit draussen kann man noch den Grund sehen. Wie in der Karibik! Ein 4/3 Kurzarm ist absolut ausreichend.

Gegen Abend suche ich einen neuen Campingplatz, dessen Dusche alle Duschen, die ich je geduscht habe, im negativen Sinn in den Schatten stellt. Kein Licht, Keine Haken, und kein warmes Wasser.

Nächster Tag: Gammeltag. Der versprochene Wind bleibt aus. Hier nochmals vielen Dank für die vielen SMS von VMarkus der mich immer mit den aktuellen Windguru-Daten versorgt hat. Dafür das Heute kein Wind ist kann er natürlich nichts. Nach längerer überlegung gebe ich den Plan auf nach Achill Island zu fahren. Mir ist nicht nur der Weg dorthin zu weit, viel mehr graut es mir, von dort wieder nach Rosslare fahren zu müssen. (ca. 400 km). Habe ich schon von den Duschen hier erzählt?

Castlegregory – Galway

Letzte Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum. Ich bin zufälliger Weise Mitglied in der Band „The Boss Hoss“ geworden und wir sollten ein Konzert vor 60.000 Leuten geben. Ich habe dankend abgelehnt 😉

Der Morgen bringt den Wind. 20 schöne Knoten. Allerdings aus S-O. Da mir die Tralee Bay mit all ihren Felsen zum kiten zu gefährlich ist, entschliesse ich mich dazu mein Lager abzubrechen und weiter zu fahren. Auf dem Weg zum Bannastrand liegt die Kleinstadt Tralee. Ich nutze die Gelegenheit und schaue mir die Stadt ein wenig näher an. Sehr hübsch, muss ich sagen. Eines fällt mir hier mehr und mehr auf: Die Iren haben fast alle starkes übergewicht. Gerade die Kinder sind meist extrem fettleibig. Ausserdem sieht man hier niemanden Joggen. Alle machen hier am Strand „extrem-walking“. Aber nur die richtig fetten Frauen, wie ich interessiert feststellen kann.

Auf zum Banna Strand! Ein super Wind und mich juckt es in den Fingern. Mir ist aber das Risiko an diesem Strand bei schräg ablandigen Wind zu kiten zu hoch. Es bleibt mir nichts anderes übrig als weiter zu fahren. Immer Richtung Norden. Um einen Umweg über Limerick zu vermeiden setze ich mit der Autofähre für 15 € in 20 min. über den Shannon River. Vorher fahre ich aber noch zum Strand von Ballybunnion um ihn zu fotografieren.

Nun bin ich in der Gemeinde „Clare“. Hier habe ich 3 Strände auf meiner Karte verzeichnet die ich mir anschauen möchte. Und alle drei reissen mich nicht unbedingt vom Hocker. Der Strand von Kilkee ist noch am nettesten.

Es steht fest: Es geht also doch nach Achill Island! Da die Strecke heute nicht mehr zu schaffen ist, mache ich nur einen Abstecher zu den bis zu 200m hohen „Cliffs of Moher“. Als ich ankomme will ich auch direkt wieder weg. 5 unverschämte Euro will man mir für den Parkplatz aus der Tasche ziehen. Ich hasse Touriabzocke! Widerwillig mache ich mein „ich war auch hier Bild“ und habe Glück das ich aus mir unbekannten Gründen an der Ausfahrt nicht bezahlen muss. Ich fahre noch bis hinter Galway und stelle den Wagen nach einem 10 Stunden Tag am Steuer in eine Seitenstrasse und übernachte dort.

Nördlich von Galway – Achill Island

Ich bin da! Nun habe ich es doch noch geschafft und die letzten 120km nach Achill Island hinter mich gebracht. Mein erster Eindruck? Sehr, sehr geil! Die Keel Bay ist ausserordentlich imposant. Der Berg der die Bucht östlich begrenzt ist 460m hoch. Nördlich der Keel Bay, quasi auf der anderen Strassenseite liegt der „Loch Keel“. Ein netter See mit teils stehtiefen torfigen Wasser, den ich unbedingt bekiten möchte. Der gegenüberliegende Berg Mount Slievemore ist an die 700m hoch!

Gut zu Wissen: Kiten ist überall erlaubt, auch wenn man es manchmal kaum glauben mag und nach Verbotsschildern aus schau hält. In der Saison sollte man die Badezonen meiden. Sie sind mit Life Guard Flaggen am Strand gekennzeichnet. Das was am Loch Keel wie eine Telefonleitung aussieht ist eine Stromleitung! Also aufpassen!

Leider kommt der Wind immer noch aus S-O und die Berge der Keel Bay versperren der Bucht den Wind. Also rein ins Auto und einen Spot für S-O suchen. Zuerst fahre ich auf die Norseite der Insel und finde dort 2 schöne Buchten für nördliche Winde. Zum einen den Strand bei Doogort und etwas weiter östlich den Golden Strand.

Ich fahre weiter und klappere alle Nebenstrassen ab, finde aber keinen Strand für den kräftigen S-O Wind. Also wieder zurück nach Keel. Dort wird mir schnell langweilig und ich fahre zum Ende von Achill Island nach Keem. Eigentlich hatte ich dort nur einen netten Aussichtspunkt erwartet, aber als ich über den Pass komme liegt er plötzlich da: „The Beach!“ Der Traumstrand! Leider zum Kiten zu windgschützt und mit den vielen Felsen nicht ganz ungefährlich. Trotzdem toll anzusehen.

Gegen Abend habe ich wieder erwarten Glück und der Wind dreht ein wenig so das ich noch eine Stunde in den Wellen der Keel Bay kiten kann. Den SB bekomme ich mittlerweile ganz easy alleine gestartet und auch dank Tiggas Trick mit der Frontleine wieder sicher gelandet. Am Abend unterhalte ich mich mit einer Irin am Strand, die mir von den vielen Haien, die es hier wohl gibt, erzählt. Aber nach ihrer Aussage sind sie nicht gross und würden eh Fische bevorzugen. Mein Schlafplatz und mein Badezimmer wird für die kommenden Tage der Loch Keel sein.

Nächster Tag: das Auto wackelt die ganze Nacht im Wind und als der Morgen graut bin ich schon ganz hibbelig. Das Meer kann warten. Zuerst will ich den spiegelglatten Loch Keel rocken! Der Wind ist ein wenig böig und ich verliere schnell an Höhe. Ruckzuck befinde ich mich in der Mitte des Sees. Zurücklaufen geht nicht mehr. Der See ist in der Mitte wo die Boote liegen tief und zudem so schwarz-braun wie ein Guinness. In Ufernähe wachsen tausende Wasserpflanzen. Da bloss nicht reinfallen! Glücklicher Weise frischt der Wind just in dem Moment wieder auf und ich kann die Höhe wieder rausfahren. Eine wirklich interessante Kitesession aber man muss wissen wo man fahren kann und wo besser nicht.

Ich packe mein Zeug und fahre rüber zum Strand. Zu meinem Erstaunen muss ich feststellen, das ich mir ausnahmsweise die Bucht mit 2 anderen Kitern teilen darf. Während der Session habe ich noch eine Begegnung mit 2 Pinguin ähnlichen Vögeln. Echt toll hier. Ihr stellt euch sich die Frage warum hier so wenige kiten? Ganz einfach! Der Ire hat ein anderes Hobby. Er geht lieber in den Pub und vertrinkt dort sein Geld.

Nächster Tag: kein Wind! Um aus Langeweile nicht auf dumme Gedanken, wie z.B. alte Steinwälle von 3000 v. Ch. zu besichtigen, mache ich am Strand einen kleinen Spaziergang zum östlichen Ende der Keel Bay. Ganz schön weit! Nach 1,5 Stunden bin ich wieder zurück und rechtschaffend müde. Mehr gibt es heute nicht zu berichten.

Gut zu wissen: Mit einer Strassenkarte im Massstab 1 : 350.000 findet man eigentlich alles. In den 2 Wochen habe ich zwar hin und wieder nach dem Weg gefragt aber mich nie verfahren. In Keel gibt einen kleinen Supermarkt aber der hat keine Lizenz zum Verkauf von Bier. Supermärkte im allgemeinen haben auch Sonntags geöffnet.

Die Saison geht von Juni bis August. Im Prinzip ist das Übernachten / Campen am Strand verboten. Nach der Saison interessiert das aber niemanden mehr.

Achill Island – Mullet Peninsula

Während ich den Morgen geniesse, kommt eine Schulklasse per Bus an den See. Nach kurzer Einweisung durch einen unmotivierten Lehrer in die Kunst des Windsurfen werden sie sich selbst überlassen und versuchen ihr Glück auf kleinstmöglichen Raum. Einfach herrlich! Da frischer Wind erst morgen zu erwarten ist, beschliesse ich mein Lager auf die Mullet Halbinsel zu verlegen. In Sichtweite von Achill Island muss man doch einen grossen Bogen von rund 90km fahren, um dort hin zu gelangen. Die Strecke ist landschaftlich sehr reizvoll und vergeht fast wie im Flug. In Belmullet mache ich Halt und investiere 3€ für einen kurzen Internet Check (Internetcafe am Roundabout).

Nach einigen Schwierigkeiten mit den rein gälischen Strassenschildern finde ich Elly Bay und bin enttäuscht. Hier werden morgen keine Wellen laufen. Dafür liegt die Bucht zu geschützt. Etwa 300m weiter südlich finde ich wo nach ich suche. Einen kleinen Zugang zur Westseite der Insel. Gegen Abend kommen immer mehr lokale Surfer, um die schönen 2m Wellen abzureiten. Ein Ire hat die Cut Backs Kelly Slater mässig drauf. Respekt!

Gut zu wissen: Auf der Mullet Halbinsel kommt man mit der normalen Strassenkarte wegen der rein gälischen Schilder nicht weit. Ausserdem gibt es keinen Campingplatz.

Mullet Peninsula – Achill Island

Big Wednesday! Der Tag beginnt früh mit erwarteter Spannung und sofortiger Ernüchterung. Der Wind ist fett, nur die hohen Wellen fehlen. Also kurz gefrühstückt und ab aufs Wasser. Dummerweise ist gerade Flut und sehr wenig Strand vorhanden. Ein holländischer Windsurfer ist so freundlich mir beim starten und kurze Zeit später auch wieder beim Landen zu helfen. Der Wind ist unkitebar. Zwar Sideshore, aber da er über Land kommt, drecksböig. Ein einziges schweres Rucken im SB. Frustriert gebe ich auf und überlegen was zu tun. Die einzige Möglichkeit, den Tag zu retten, besteht darin, zurück nach Achill Island zu fahren. 1,5 Stunden später bin ich wieder da wo mein Herz schlägt. Und sie sind auch da: Die 5m Wellen!

Der Wind bläst schräg auflandig aus S-W und ich baue meinen 9er Skoop auf. Zu klein! Der 12er SB passt! Ich nehme mein Gaastra Waveboard und werde direkt in der ersten grösseren Welle gewaschen. Der Kite kentert einmal durch und ich muss vom Wasser um die Leinen zu ordnen. Die Nummer mit dem selbst landen klappt bei dem starken Wind (über 20 kn) nicht mehr und bei den kühnen Versuch die Bar durch die Frontleinen zu stecken muss ich den Kite in die „Todesspiralen-Safety“ gehen lassen. Der Kite hat noch ordentlich Restzug aber er rotiert nicht. Somit hangel ich mich über den Trapezhaken zum Kite und ordne die Leinen neu.

Die kommenden 4,5 Stunden sind spass pur. Es gelingt mir einige Wellen schön abzureiten und lerne einiges hinzu. Ganz raus zu den grossen Wellen komme ich nicht, da die sich brechenden Wellen bald nur noch mit Schirm überspringen lassen. Ausserdem vergesse ich nie das ich alleine auf dem Wasser und weit, weit weg von zu Hause bin.

Am Abend nutze ich den Keel See wieder für ein ausgeprägtes Bad. Das Wasser ist durch den Torf leicht bräunlich, aber von hoher Qualität.

Achill Island – Brittas Bay, nördlich von Arklow

Ich erwache am Morgen mit den Geruch von Torf in der Nase. Ich habe mich wohl gestern etwas zu gründlich gewaschen und meine Haut riecht nach verbrannten Torf. Etwas Deo hilft dagegen.

Gut zu wissen: Ein Liter unverbleit nennt sich hier „95 unleaded“ und kostet im Schnitt 1,15€. Diesel ist 10 Cent günstiger. In der Republik Irland bezahlt man mit dem Euro. In Nordirland mit den englischen Pfund. In jedem kleinem Ort gibt es in der Regel einen Lebensmittelladen und eine Tankstelle.

Die grosse Fahrt zur Ostküste steht bei mir heute auf dem Programm. Die 400km haben was von ihrem anfänglichen Schrecken verloren. Man gewöhnt sich an die langsamen Achterbahnstrecken. Nach 5 Stunden mache ich meine erste grössere Pause und esse und schlafe ein wenig. Obwohl man oft 100 fahren darf bleibt man doch auf einem 50km/h Schnitt hängen. Das liegt zum einen an den kleinen Strassen, und zum anderen an dem katastrophalen Verkehr in den Städten. Ich fühle mich oft wie Truman aus der Truman Show bei dem Versuch die Stadt zu verlassen.

Als es dunkel wird, bin ich endlich nach 9,5 Stunden an Brittas Bay und stelle mich für die Nacht auf einen einsamen Parkplatz. Hundemüde lege ich mich nach ein paar Scheiben Brot und einer Dose Bier hinten rein. Kurze Zeit später kommt ein Auto und hält direkt neben mir. 2 Jugendliche unterhalten sich bei eingeschalteter Innenbeleuchtung und laufenden Motor lauthals miteinander. Der eine hantiert auf dem Schoss, während der andere ein Röhrchen in der Hand hält. Als nächstes ziehen sie sich beide Koks in die Nasen. Das kann ich grad noch gebrauchen, denke ich. 2 Halbstarke auf Drogen, die sich wohlmöglich für ein Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen interessieren. Zum Glück fahren sie etwas später mit durchdrehenden Rädern in die tiefschwarze Nacht. Mit festem Griff um die Stabtaschenlampe schlafe ich ein.

Brittas Bay – Courtown

Wieder ein wunderschöner Spätsommertag. Kein Wölkchen kann den Himmel trüben. Am frühen Morgen nehme ich ein Sonnenbad an Brittas Bay. Es gibt 2 Parkplätze an Brittas Bay. Beide sind kostenpflichtig. Es werden jeweils 4 € fällig. Da ich das nicht bereit bin zu bezahlen fahre ich südlich über Arklow nach Courtown.

Gut zu wissen: In Courtown gibt es eine Spielhalle in der steht ein Greifarm-Automat wie man ihn vom Rummel kennt. Dieser ist allerdings so gross wie ein Kinderzimmer.

Courtown – Churchtown

Die letzte Nacht war saukalt! Nur 6 Grad am frühen Morgen. Ich fahre nun wieder nach Courtown zum Frühstücken und um zu chillen. Das Wetter ist wieder tadellos. Wunderschönes Badewetter aber leider ohne Wind. Gegen Mittag werde ich ein wenig unruhig und fahre weiter die Küste Richtung Süden zum Wexford Strand. Sehr schön und etwa doppelt so lang wie Brittas bay. Mit dem Vorteil, das man hier umsonst parken kann. Toilettenhaus inklusive. Weitere Fotos schenke ich mir, da hier die Strände der Ostküste alle ähnlich aussehen. Nachmittags mache ich mich auf in den südöstlichen Zipfel Irlands. Nach Churchtown. Hier mache ich noch ein Bild des Clare Beach und übernachte hier.

Abreise. Rosslare

Nochmals zum Abschluss meiner fast 2000km langen Irlandreise habe ich schönstes Wetter. Ich geniesse die letzten Stunden in der Sonne der Rosslare Bay. Wenn ich auch nicht immer Wind hatte, so hatte ich doch meist schönes Wetter. Meine Regenjacke habe ich nie gebraucht, und richtig kalt war es auch nie, was zurückblickend sehr wichtig war. Vor allem wenn man 2 Wochen im Auto lebt. Das das Wetter hier auch ganz scheusslich sein kann, durfte ich ja direkt am Anfang erleben. Um 16 Uhr am Nachmittag setzt sich meine Fähre Richtung Frankreich in Bewegung. Ich freue mich auf zu Hause.

Autor

Tommy Krebs

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2 Kommentare

  1. toller Reisebericht, Danke dafür !
    Wenn man sich die Mühe macht und die Orte parallel beim Lesen auf goole maps nachverfolgt, bekommt man einne noich besseren Eindruck von der Reise. Wenn jetzt noch die Bilder den Orten zugeordnet wären 😉 .. Ich denk ich muss da auch mal hin 😉

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